Eine kleine Zeitreise in Blieskastel im Saarland | Gollenstein und Kloster Blieskastel

Aug 29, 2021 | Ausflugstipps, Deutschland, Europa, Saarland, Unterwegs | 0 Kommentare

Sich spontan Ausflugsziele auf Google Maps rauszusuchen birgt ein Risiko: man achtet nicht auf eventuelle Höhenunterschiede und wird auch nicht auf eventuelle Treppen oder Aufstiege aufmerksam gemacht, die man auf einer zweidimensionalen Karte einfach so nicht erkennt.
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Sollte dies also der einzige Text sein den ihr lest bevor ihr das Wallfahrtskloster Blieskastel besucht, meine zwei besten Tipps hier ganz zu Anfang:

  1. Man kann auch oben hinter dem Klostergarten parken
  2. Falls ihr doch lieber unten in Blieskastel, z.B. in der Nähe der Fußgängerzone parkt, macht euch auf einige Treppenstufen gefasst – wir haben vier Mal angefangen zu zählen aber bis zum Ende der Treppe immer wieder den Faden verloren, es sind viele… ;-)
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Wallfahrtskloster der Franziskaner-Minoriten

Falls ihr euch auch schon immer mal gefragt habt – „Wieso baut man eigentlich ein Kloster? Und wieso gerade hier? Und überhaupt?“ – gibt es darauf wahrscheinlich keine eindeutige Antwort. Beim Kloster in Blieskastel lässt sich das aber schnell und anschaulich beantworten.

historischer Wanderpfad | Winterberg-Elkeringhausen | Nordrhein-Westfalen | NRW | Sauerland
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Die ganze Geschichte des Klosters rankt sich um das so genannte „Wunder von Brudermannsfeld“. Im Mandelbachtal gab es im 14. Jahrhundert einen Ritter, der eine bekrönte Maria aus Eichenholz schnitzte und sie in eine Baumnische stellte. Eine Räuberbande soll den Ritter überfallen haben und weil er nichts nennenswertes dabei hatte, haben sie aus Wut mit mehreren Pfeilen auf die Figur geschossen. Dort wo ein Pfeil das Herz traf, kam Blut aus der Figur. Ein blinder Mann soll daraufhin das Blut bzw. die Figur angefasst haben und konnte danach wieder sehen. Und auch die junge Gräfin Elisabeth von Blieskastel wurde zur Figur geführt, berührte sie und wurde von „einem Augenleiden befreit“. So sagt es die Überlieferung.
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Die Szene mit den Räubern und der Figur wurde sehr eindrucksvoll von einem Bildhauer nachgestellt und ist neben vielen anderen Figuren im Klostergarten zu bestaunen. Die echte so genannte „Pfeilenmadonna“-Figur wird in der kleinen Heilig-Kreuz-Kapelle aufbewahrt. Weil damals einfach zu viele Pilger kamen und die Pfeilenmadonna mit eigenen Augen sehen wollten, wurde die Kapelle zu klein und man errichtete das Kloster. Noch heute können Pilger auf dem Jakobsweg in den ehemaligen Zellen der Mönche übernachten.
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Zeitreise auf dem Jakobsweg

Wir haben vom Kloster aus eine kleine große Zeitreise gemacht. Auf dem Jakobsweg lässt man in Blieskastel auf wenigen Kilometern fast 4000 Jahre hinter sich. So alt soll der Gollenstein sein und mit seinen 6,58 Meter ist der Monolith aus der Jungsteinzeit (ca. 2000 v. Christus) der größte Hinkelstein Mitteleuropas. Ja, Hinkelstein – wie die von Obelix.

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Dazu muss man sagen, dass die von Obelix irgendwie stabiler waren als dieser hier – aber natürlich auch etwas jünger (Asterix spielt ca. 50 v. Christus – falls ihr euch das jetzt auch gefragt habt). Der Gollenstein ist im 2. Weltkrieg in vier große und viele kleine Teile zersprungen, als deutsche Soldaten ihn in eine Grube legen wollten damit er nicht als Landmarke für die Franzosen dienen konnte. Die Grube wurde sogar mit Stroh ausgelegt, damit nichts kaputt geht – war dann aber zu klein, sodass der Stein beim herablassen auf die Kante der Grube aufschlug und zerbrochen ist. Kein Witz. Nach dem Krieg hat man die Teile dann mit Beton wieder zusammengeklebt und den Stein wieder aufgerichtet.
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