„Das Joshua Profil“ von Sebastian Fitzek

Jan 7, 2016 | 4 von 5, Bücher, Rezensionen |

Es tut mir leid, […] aber Joshua hat Sie auserwählt!
Nach einem ganzen Jahr mit sehr starken Höhen aber auch sehr dunklen Tiefen beim Lesen, hatte ich im Dezember endlich den neuen Fitzek in der Hand, auf den war die Vorfreude schon Monatelange riesen groß. Denn mit einem Fitzek kann man nie etwas verkehrt machen, also mit dem Buch, nicht mit dem Mann. Den kenne ich ja gar nicht. Aber, dem Autor kann man schon fast sowas wie „gute alte deutsche Beständigkeit“ unterstellen, oder so ähnlich. Das würde glaube ich ganz Deutschland unterschreiben. Man kennt ihn, man mag ihn und man liebt seine Bücher. Und selbst wenn man mal eins nicht so sehr liebt, gut unterhalten wird man doch immer. Und das ist meine Überleitung zu „Das Joshua Profil“.

joshuaprofil

„Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen. Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß … im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist.“

Denn unterhalten tut „Das Joshua Profil“. Sehr sogar. Aber ich kann nicht sagen, dass ich es geliebt habe, oder dass es eins meiner Lieblings-Fitzek-Bücher ist. Dafür habe ich 2 Theorien:

1. Der Hype und damit auch die Vorfreude waren Riesengroß. Mich hat die Idee mit dem 2. Buch „Der Blutschule“ schon begeistert, da wusste ich noch gar nicht worum es in „Das Joshua Profil“ oder in „Der Blutschule“ wirklich geht. Aber das Buch im Buch, und der Lieblingsautor mit einer gespaltenen Persönlichkeit, was will man mehr?

Willst du etwa behaupten, hier nimmt jemand mein Buch – genauer gesagt, mein Interview – als Vorlage für seine Taten?
Aber große Vorfreude = große Erwartungen, und es gibt meiner Meinung nach kein Buch bei dem das jemals eine gut Voraussetzung war. Bei großen Erwartungen ist man schon durch kleine Probleme die das Buch hat, riesig Enttäuscht. Ungefähr genauso riesig Enttäuscht, wie vorher die Vorfreude groß war. Und wenn man sich dann mal eine Woche (oder mehr, sorry) Zeit lässt mit der Rezension, merkt man wie klein die Probleme eigentlich wirklich sind und dass einem das Lesen viel mehr Spaß hätte machen können, wenn die Vorfreude einen „Trinke Mich“ Schrumpftrank aus Alice im Wunderland getrunken hätte.

Am meisten stört mich aber auch jetzt noch, dass das Ende so abrupt passiert. Auf den eigentlichen „Täter“ und den Ablauf gab es im Buch keine Hinweise und wenn doch habe ich wohl alle überlesen. Auch die Hautpfigur scheint eher zufällig über die Lösung zu stolpern, bei etwas zusammenhanglosen Geistesblitzen, die ihm aufs Stichwort passieren. Irgendwie erwartet man da von einem Fitzek (Autor und Buch) da mehr. Und das ist ja, wie oben schon erläutert, wahrscheinlich auch das große Problem an der Sache. Bei jedem anderen Autor hätte man(ich) gesagt: naja, wenigstens wurde ich am Ende gleich mehrfach überrascht, was will man(ich) mehr?

Meine 2. Theorie ist da schon etwas schwieriger zu erklären. Ich glaube, dass „Das Joshua Profil“ gar nicht zum Lieblingsbuch werden wollte. Dafür wurde es nicht geschrieben.

Vielleicht kann man mit wirren Gedanken nicht weinen, so wie man mit geöffneten Augen nicht niesen kann?
„Das Joshua Profil“ soll unterhalten, und das tut es. Man kann miträtseln, egal ob man eine Chance zur Lösung hat oder nicht. Es ist spannend, voller Action und liest sich schnell weg, weil man immer wissen will, wie es weitergeht.

 

Aber, viel wichtiger: „Das Joshua Profil“ regt zum Nachdenken an. Es werden so viele spannende und in unserer Zeit überaus wichtige Themen behandelt, dass jeder das Buch unbedingt mal lesen sollte, egal ob ihr gerne Thriller liest, oder euch das Buch anspricht. Lasst euch von dem Klappentext nicht dazu verleiten, dass Buch als „nichts für mich“ abzutun, eigentlich verwirrt der nur. Ich lasse jetzt nur mal ein paar Schlagwörter fallen, um nicht zu Spoilern oder euch ganz die Lust zu verderben: Vorratsdatenspeicherung 2.0 und was kann man mit den Daten alles machen? Kann man Pädophile heilen und sollte man sie zurück in die Gesellschaft integrieren? Kann man Verbrechen verhindern, bevor der Täter überhaupt über das Verbrechen nachgedacht hat?

 

„In Ihrem [Google] Protokoll finden sich Suchanfragen wie ‚perfektes Verbrechen‘, ’schnell wirkendes Gift‘, […] ‚DNA-Spuren verwischen‘, ‚Säuberung eines Tatorts‘, […].“ – „Ich bin Thrillerautor!“, rief ich. – „Ja, und genau das ist das Problem.“
Schon mal was seltsames gegooglet und gedachte „gleich klingelt bestimmt die Polizei oder die NSA bei mir?“ Dann solltet ihr unbedingt „Das Joshua Profil“ lesen, und rausfinden was dann passiert. Wir sind zwar nicht alle Krimiautoren, aber schon ein einfacher Autokauf könnte irgendwo die Alarmglocken läuten lassen… lasst euch überraschen und erschrecken…

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Meine Bewertung: 4/5

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