„Madame Picasso“ von Anne Girard

Mrz 14, 2015 | 5 von 5, Bücher, Highlights, Rezensionen | 0 Kommentare

„Wieso muss Kunst immer irgendetwas sein?“

Picassos Gemälde "Violon (Jolie Eva)"

Picassos Gemälde „Violon (Jolie Eva)“

Pablo Picasso war ein faszinierender Künstler, das wissen wir glaube ich alle. Was wir, bzw. ich nicht wusste, ist was für ein faszinierender und besonderer Mensch er war. Das Buch ist zwar Fiktion, hinter der aber eine wahre Geschichte steckt. Anne Girard hat so gut recherchiert, dass ich mir alles in „Madame Picasso“ gut vorstellen kann. Mit Eva, der weiblichen Hauptfigur, fühle ich mich verbunden. Und in Monsieur Pablo Picasso habe ich mich ein bisschen verliebt.

madamepicasso„Als die junge Eva Gouel im Jahr 1911 aus der Provinz nach Paris kommt, ist sie voller Ehrgeiz und Träume von einem selbstbestimmten Leben. Es gelingt ihr, im legendären Moulin Rouge ihren Weg als Kostümschneiderin zu machen. Am Montmartre, inmitten der europäischen Avantgarde, begegnet sie Pablo Picasso, dem aufstrebenden Stern der Kunstszene, dessen Anziehungskraft sie sich kaum erwehren kann. Was als leidenschaftliche Affäre beginnt, wird schon bald zu einer großen Liebesgeschichte, die ein tragisches Ende nimmt.“

In den Straßen von Paris der 20er Jahre wäre ich wohl wie Eva, und wie noch viele andere Frauen, seinem Charme gerade zu verfallen. Seinen Worten, seiner Kunst, seiner Ehrlichkeit, seiner Leidenschaft. All das bringt Anne Girard rüber, lebhaft und fast zum Anfassen.

Ich fühlte mich nach Paris ins Jahr 1911 versetzt, obwohl ich natürlich zu der Zeit noch gar nicht geboren war. Aber die Schauplätze, die Kostüme, Hüte, Gepflogenheiten und Gentlemen ( oder „hommes galants“ wie sie damals in Frankreich geheißen hätten) lassen mein Herz höher schlagen.

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Es fühlt sich alles an wie ein Roman von Jane Austen, Mr. Darcy und Elizabeth sind hier Pablo Picasso und Eva Gouel. Was die ganze Geschichte so tragisch macht, ist dass sie so nahe an der Wahrheit spielt. Picasso und Eva haben wirklich existiert.

Ihre Geschichte hat sich so oder so ähnlich abgespielt. Wer einen rein fluffigen Liebesroman erwartet, ist bei Madame Picasso an der falschen Adresse. Die Realität und das echte Leben meinen es oft nicht gut mit Pablo Picasso, darauf sollte man vorbereitet sein wenn man sich auf ihn einlässt.

„Wir malen!“ „Wie lange?“… „Bis das Schlimmste überstanden ist. Und dann malen wir weiter.“
Picassos Gemälde "J'aime Eva"

Picassos Gemälde „J’aime Eva“

Die Geschichte ist mit wahren Ereignissen aus den Jahren 1911 bis 1915 verstrickt. Dazu gehört der Untergang der Titanic, der Beginn des ersten Weltkriegs, zu dem fast alle französischen Männer damals eingezogen wurden, und der Diebstahl der Mona Lisa aus dem Louvre, wegen dem Picasso verdächtigt und auch verhaftet wurde. All das macht die Geschichte so authentisch.

eine echtes Foto, dass Picasso von Eva aufgenommen hat - ein wichtiger Moment, der auch im Buch beschrieben ist

eine echtes Foto, dass Picasso von Eva aufgenommen hat – ein wichtiger Moment, der auch im Buch beschrieben ist

Aber auch Eva Gouel, die kein französisches Vorzeigepüppchen, sondern eine echt starke Frau war. Eine Frau, deren einzige schwäche Pablo Picasso war. Zu oft vergisst man bei großen Künstler, wie wichtig ihre Lieben, Verwandten, Freunde und Partner doch sind, die sie zu dem machen, was sie sind. Wäre Angela Merkel eine andere Frau ohne ihren Mann Joachim Sauer? Wäre Marylin Monroe so berühmt geworden ohne ihren Joe DeMaggio? Johnny Cash ohne seine June? Unvorstellbar.

Genauso denke ich, wäre Picasso ein anderer Mensch, ein anderer Künstler, gewesen ohne seine Eva. Sie hat ihn zu einem anderen, laut seiner Freunde, zu einem besseren Menschen gemacht. Genau diese Wandlung verfolgt das Buch. Wie kann ein einfaches Mädchen einen berühmten Künstler verändern? Und was verändert sich in einem einfachen Mädchen, wenn ein berühmter Künstler sie zur Madame Picasso machen möchte?

„Von jetzt an will ich alles Schlechte in deinem Leben in etwas Schönes verwandeln.“

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Man muss kein Kunst Kenner sein um sich in der Geschichte zu verlieren. Man muss auch nichts über Picasso wissen, oder über das Paris der damaligen Zeit. „Madame Picasso“ lädt einfach dazu ein, sich in einer einzigartigen großen Liebesgeschichte „unserer Zeit“ zu verlieren, wie es sie selten gegebene hat.

Man sollte sich bewusst sein, dass es die Menschen wirklich gegeben hat, dass die Geschichte so wirklich passiert ist. Mehr braucht man gar nicht, um die Geschichte zu lieben.

„Noch als wir zwei Drittel eines Jahrhunderts später über sie sprachen, traten ihm Tränen in die Augen.“
*hach* einfach schön, das Taschenbuch

*hach* einfach schön, das Taschenbuch

Was dem Buch auch eine ganz spezielle Atmosphäre gibt, sind die eingestreuten französischen und spanischen Satzteile. So ist Eva für Picasso „ma jolie“ oder „mi corazón„, und Picasso flucht auf Spanisch wenn ihm die französischen Worte fehlen. Mir als sprachbegeistertem Leser hat das sehr gut gefallen. Man merkt dadurch richtig, dass man nicht in Deutschland ist, auch wenn die in der Übersetzung ja irgendwie alle Deutsch sprechen. (Ich hoffe das macht Sinn.)

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Mich hat das Buch in seinen Bann gezogen. Mich lässt das Frankreich, und die Geschichten von Eva, Picasso und ihren Freunde gerade gar nicht mehr los. Meine Google Historie könnte das beweisen. Deswegen bekommt das Buch von mir 5 Sterne, und eine eindeutige Leseempfehlung!

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Meine Bewertung: 5/5

Besonderes Highlight!

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